Kämpfen, fliehen oder erstarren? Warum überforderte Lernende abschalten

Kämpfen, fliehen oder erstarren? Warum überforderte Lernende abschalten 1
09
Feb.
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Kämpfen, fliehen oder erstarren? Warum überforderte Lernende abschalten

Genau wie die Kampf-oder-Flucht-Reaktion ist auch das Erstarren ein Teil der angeborenen Überlebensmechanismen des Körpers. Tatsächlich ist es auch eine häufige Erfahrung für Lernende in Lernumgebungen. Schauen wir uns einmal an, was die Erstarrungsreaktion auslöst und wie Lehrende Lernangebote so gestalten können, dass sie die Lernenden während und nach dem Erstarren unterstützen.

Kämpfen, fliehen oder erstarren? Warum überforderte Lernende abschalten
Kämpfen, fliehen oder erstarren? Warum überforderte Lernende abschalten

Wenn Lernende in eine Erstarrungsreaktion versinken

Als Lernender haben Sie wahrscheinlich schon einmal erlebt, dass eine eigentlich recht einfache Aufgabe plötzlich unüberwindbar erscheint. Das Thema ist Ihnen vertraut, die Anweisungen sind klar, und doch … nichts. Auch wenn Sie sich noch so sehr anstrengen, es scheint nichts zu helfen.

In Lernumgebungen ist dies eine äußerst gängige Erfahrung. Aber wissen Sie auch, wodurch dies verursacht wird? Bestimmt haben Sie schon einmal von der Kampf-oder-Flucht-Reaktion gehört, aber kennen Sie auch die Erstarrungsreaktion, die ausgelöst wird, wenn das Gehirn eine Bedrohung oder Überlastung wahrnimmt? Ähnlich wie ein Reh im Scheinwerferlicht ist die Erstarrungsreaktion Teil des uralten Überlebenssystems des Körpers, und ja, auch moderne Lernende können sie erleben. Für Lehrende ist es entscheidend zu verstehen, was in solchen Momenten der Blockade im Gehirn vor sich geht, um Lernerfahrungen so zu gestalten, dass sie die Lernenden während und nach der Erstarrung unterstützen. Lassen Sie uns loslegen.

Die Wissenschaft hinter der Erstarrungsreaktion

Während „Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsreaktionen” einst dazu dienten, unsere Vorfahren vor physischen Gefahren zu schützen, können moderne Lernende durch kognitive, soziale oder emotionale Stressfaktoren ausgelöst werden. Die Erstarrungsreaktion tritt ein, wenn weder Kampf noch Flucht möglich scheinen.

Aus neurobiologischer Sicht handelt es sich um einen Zustand der Untererregung, in dem der Körper defensiv unbeweglich wird und vom parasympathischen Teil des Nervensystems kontrolliert wird. Die Amygdala, die für die Erkennung von Bedrohungen zuständig ist, signalisiert, dass Gefahr besteht, während der präfrontale Kortex (der Teil des Gehirns, der für das Denken, Planen und Treffen von Entscheidungen zuständig ist) herunterreguliert wird. Dieser Mechanismus wurde einst genutzt, um die Überlebenschancen zu erhöhen, indem Bewegungen und Sichtbarkeit gegenüber Raubtieren reduziert wurden, sowie um Energie zu sparen.

Sie fragen sich jetzt vielleicht: „Was hat das alles mit Lernenden des 21. Jahrhunderts zu tun?“ Wenn es um das Lernen geht, kann dieser Mechanismus dazu führen, dass unser Verstand sich abschaltet, wenn wir eigentlich handeln müssten. Lernende beschreiben dann oft, dass sie sich „taub“, „festgefahren“ oder „leer“ fühlen, und kognitive Prozesse wie das Arbeitsgedächtnis, der Sprachabruf und die exekutive Kontrolle können in einem solchen „Freeze“-Zustand beeinträchtigt sein. Das Bewusstsein des Lernenden für die Aufgabe bleibt intakt, aber die Fähigkeit, darauf zu reagieren, kommt zum Erliegen. Dies kann sich auch in Form von Prokrastination, Rückzug oder teilnahmslosem Verhalten äußern, was fälschlicherweise als Faulheit oder Desinteresse interpretiert werden kann.

Was löst die Erstarrungsreaktion bei Lernenden aus?

Was sind also die Ursachen dafür? Bei Lernenden, die erstarren, sind die Auslöser in der Regel weitgehend psychologischer oder kognitiver Natur, beispielsweise das Gefühl des Versagens, Zeitdruck, unklare Erwartungen oder die Angst vor Bewertung. Untersuchungen in der Bildungspsychologie zeigen, dass Unsicherheit ein starker Auslöser für Stressreaktionen ist. Wenn Lernende sich nicht sicher sind, was von ihnen erwartet wird, oder wenn die Folgen eines Scheiterns unklar sind, kann das Gehirn diese Unklarheit als Gefahr interpretieren. In eLearning-Umgebungen können mehrere Faktoren diese Auslöser verstärken:

  • Informationsüberflutung. eLearning-Plattformen präsentieren oft umfangreiche Inhalte ohne klare Struktur oder Gliederung. Der präfrontale Kortex, der Informationen filtert und priorisiert, wird überlastet, was die kognitive Belastung erhöht und zu einer Blockade führt.
  • Soziale Exposition. In vielen Lernumgebungen werden Fortschritte und Erfolge anhand der sichtbaren Teilnahme gemessen. Diese obligatorische Exposition kann Angst vor negativer Bewertung hervorrufen, was den Stress und die Wahrscheinlichkeit einer Blockade erhöht.
  • Leistungsüberwachung. Fortschrittsanzeigen, sichtbare Statistiken und Timer können den Stress erhöhen, indem sie die Lernenden nicht nur ständig daran erinnern, was noch zu tun ist, sondern auch daran, dass sie ständig überwacht werden.

Auch wenn diese einzelnen Stressfaktoren einzeln betrachtet geringfügig erscheinen (und die obige Liste keineswegs vollständig ist), können sie zusammen die Regulationsfähigkeit der Lernenden überfordern und sie erstarren und handlungsunfähig machen. In diesem Zustand können selbst einfache Entscheidungen wie das Schreiben des ersten Satzes oder die Auswahl einer Antwort als übermäßig anspruchsvoll empfunden werden und das Nervensystem mit Stresshormonen wie Cortisol überfluten. Die Frage lautet nun: Was können wir dagegen tun?

Wie man eine Erstarrungsreaktion bei Lernenden erkennt

Um eine Erstarrungsreaktion zu erkennen, muss man auf subtile Verhaltens- und kognitive Signale achten. In Online- oder Präsenzveranstaltungen kann sich dies wie folgt äußern:

  • Lange Pausen oder unvollständige Beiträge, obwohl der Inhalt verstanden wurde.
  • Plötzlicher Rückgang der Beteiligung oder Kommunikation, Abwesendsein, sehr still werden oder häufiges Äußern von „Ich weiß nicht“.
  • Wiederholtes Aufschieben von Aufgaben mit schwammigen Begründungen („Ich muss nur in die richtige Stimmung kommen“).
  • Übermäßige Vorbereitung, z. B. übermäßiger Zeitaufwand für das Organisieren von Materialien, ohne mit der eigentlichen Aufgabe zu beginnen.

Diese Verhaltensmuster sollten als Ausdruck von Stress und nicht als „Faulheit“ betrachtet werden, was sich auch in der Reaktion der Lehrenden widerspiegeln sollte. Anstatt auf Produktivität zu drängen, sollte das Ziel darin bestehen, ein Gefühl der psychologischen Sicherheit wiederherzustellen.

Wie man Lernenden dabei hilft, die Erstarrungsreaktion zu überwinden

Bildungsfachleute sind dafür verantwortlich, die Erstarrungsreaktion zu verstehen und Lernangebote unter Berücksichtigung dieser Reaktion zu entwickeln. Aus technischer/gestalterischer Sicht kann beispielsweise der Aufbau einer Lernplattform entweder Angstgefühle verstärken oder diese lindern. Überladene Benutzeroberflächen mit Warnmeldungen, Countdowns oder Leistungsstatistiken können Ihre Lernenden in einem ständigen Stresszustand halten. Umgekehrt vermittelt ein Design mit einfacheren Grafiken, konsistenter Navigation und dezenten Feedback-Hinweisen ein gewisses Maß an Vorhersehbarkeit, das den Lernenden dabei hilft, sich zu regulieren.

Darüber hinaus sollte die Unterstützung von Lernenden, die sich bereits in einer Erstarrungsreaktion befinden, oberste Priorität haben. Beginnen Sie zunächst mit einer Herunterregulierung. Auf diese Weise helfen Sie dem Nervensystem, in einen Zustand zurückzukehren, in dem der Lernende sich wieder einbringen kann. Im Folgenden finden Sie eine Reihe einfach umzusetzender und wissenschaftlich fundierter Strategien, die auf Forschungen zur Stressbewältigung und Emotionsregulation basieren.

Klarheit für mehr Sicherheit

Unklarheit ist einer der stärksten Auslöser für eine Erstarrungsreaktion. Wie oben erwähnt, reduzieren klare Anweisungen und vorhersehbare Strukturen kognitive Unsicherheit. Außerdem hilft die Aufteilung großer Aufgaben in kleine, aufeinanderfolgende Schritte den Lernenden, diese auf eine überschaubare Weise zu bewältigen, anstatt sich allein vom Umfang überwältigen zu lassen.

Normalisierung von Schwierigkeiten

Die Darstellung von Schwierigkeiten als natürlichen Teil des Lernprozesses wirkt der Bedrohungswahrnehmung des Gehirns entgegen. Schwierigkeiten sind kein Hindernis, sondern ein typischer Aspekt des Lern- und Wachstumsprozesses. Ermutigen Sie die Lernenden daher, dranzubleiben. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass viele andere Menschen ähnliche Herausforderungen erleben, wie Stress, Erstarrung, Isolation oder Schwierigkeiten mit neuen Aufgaben, um den Lernenden dabei zu helfen, Selbstvorwürfe zu vermeiden.

Techniken zur Emotionsregulation

Durch eine effektive Regulierung unserer Emotionen sind wir besser für die Herausforderungen des Lebens gerüstet. Eine gängige Methode der emotionalen Regulierung ist die kognitive Neubewertung, bei der Sie Ihre Perspektive auf eine Situation aktiv ändern, um deren emotionale Wirkung zu verändern. Beispielsweise können Sie Misserfolge als Chance zum Wachstum betrachten, anstatt als etwas Beschämendes. Weitere Ideen, die Lehrende anwenden können, sind kurze Grounding-Übungen wie kontrolliertes Atmen, kleine Bewegungsübungen oder Reflexionspausen, um den Lernenden dabei zu helfen, ihre Stresshormone zu senken und eine Erstarrungsreaktion zu verhindern, bevor es zu einer Eskalation kommt.

Soziale Verbundenheit

Positive soziale Interaktionen senken den Cortisolspiegel und verringern die Stressreaktion des Körpers, während gleichzeitig die Ausschüttung von stimmungsaufhellenden Endorphinen erhöht wird. Dadurch fühlen sich herausfordernde Situationen weniger überwältigend an und die Resilienz wird gefördert. Darüber hinaus kann der Austausch von Erfahrungen mit anderen wertvolle Perspektiven bieten, die Ihnen dabei helfen, aus Ihren eigenen Gedanken herauszutreten und letztendlich Ihre Wahrnehmung von Stressfaktoren oder typischen Triggern zu verändern. Für eine kontrollierte Exposition können Lehrende auf 1:1-Mentoring-Strukturen zurückgreifen, die die Isolation verringern und den Druck der Sozialisierung in großen Gruppen mindern.

Zusammenfassung

Lernen ist ein neuro-emotionaler Prozess, kein rein kognitiver. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass sowohl das Denken als auch das Fühlen daran beteiligt sind. Wenn die Fähigkeit eines Lernenden, klar zu denken, stark davon abhängt, dass er sich sicher genug fühlt, um dies zu tun, sollte die Schaffung von Räumen, in denen sich Lernende sicher von ihrer Erstarrung erholen und diese sogar lindern können, für Bildungs- und L&D-Fachleute oberste Priorität haben.


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