Hybrides Onboarding: Online, live oder direkt im Arbeitsalltag?

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Sep.
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Hybrides Onboarding: Online, live oder direkt im Arbeitsalltag?

Online, live oder direkt im Arbeitsalltag? Beim hybriden Onboarding entscheidet nicht der Lernort, sondern das Lernziel.

Hybrides Onboarding: Online, live oder direkt im Arbeitsalltag?
Hybrides Onboarding: Online, live oder direkt im Arbeitsalltag?

Welches Lernformat passt zu welchem Onboarding-Thema?

Beim hybriden Onboarding geht es häufig zuerst um die Organisation: An welchen Tagen arbeitet der neue Mitarbeiter remote, wann finden Videocalls statt und was wird für die Bürotage geplant? Doch der Arbeitsort allein entscheidet nicht darüber, ob das Onboarding tatsächlich erfolgreich ist – entscheidend ist, wie und wo die jeweiligen Inhalte am besten gelernt werden.

Viel wichtiger ist die Frage, wie die einzelnen Inhalte am besten vermittelt und gelernt werden. Manche Informationen lassen sich gut über digitale Lernangebote vermitteln, die Mitarbeiter selbstständig und im eigenen Tempo bearbeiten können. Andere Themen profitieren vom Austausch mit Kollegen. Bestimmte Aufgaben wiederum werden erst durch Beobachtung, praktische Übungen und Feedback im Arbeitsalltag wirklich gelernt.

Ein einheitliches Format für alle Inhalte kann dazu führen, dass Mitarbeiter ihr Onboarding zwar erfolgreich abschließen, aber noch nicht ausreichend auf ihre Rolle vorbereitet sind. Ein hybrides Onboarding-Modell hilft L&D-Teams deshalb dabei, für jedes Lernziel die passende Lernform und Lernumgebung zu wählen.

Erst das Lernziel, dann das Format

In hybriden Arbeitsmodellen arbeiten Mitarbeiter an unterschiedlichen Orten – im Homeoffice, im Büro, beim Kunden oder an anderen Einsatzorten. Das Onboarding sollte deshalb nicht einfach die klassische Einarbeitung mit Videocalls und Online-Modulen nachbilden. Denn nur weil verschiedene Formate zum Einsatz kommen, entsteht daraus noch lange kein stimmiges Lernerlebnis.

Ein Unternehmen könnte beispielsweise das Mitarbeiterhandbuch im LMS bereitstellen, eine virtuelle Unternehmenspräsentation planen und einen Tag organisieren, an dem der neue Mitarbeiter einen erfahrenen Kollegen bei der Arbeit begleitet. Auf den ersten Blick kommen damit drei unterschiedliche Formate zum Einsatz. Doch entscheidend ist nicht, wie viele Formate genutzt werden, sondern welchen Beitrag sie zum Lernerfolg leisten. Bereiten sie den Mitarbeiter tatsächlich darauf vor, seine neue Rolle sicher auszufüllen?

Ein gutes hybrides Onboarding setzt deshalb beim gewünschten Ergebnis an und denkt von dort aus weiter. L&D-Teams sollten zunächst klären:

  • Was muss der Mitarbeiter wissen?
  • Was muss er verstehen?
  • Was soll er praktisch anwenden können?
  • Welche Entscheidungen oder Verhaltensweisen soll er sicher beherrschen?
  • Welche Unterstützung braucht er, um das Gelernte im Arbeitsalltag anzuwenden?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird entschieden, welches Lernformat und welche Lernumgebung für das jeweilige Lernziel am besten geeignet sind.

Drei Lernformen, ein Onboarding

Beim hybriden Onboarding gibt es drei zentrale Lernformen:

  • Selbstgesteuertes eLearning
  • Gemeinsames Lernen
  • Lernen im Arbeitsalltag

Jede Lernform eignet sich für andere Lernziele und hat eigene Stärken. Ein gutes Onboarding verbindet sie so, dass sie sich sinnvoll ergänzen.

1. Selbstgesteuertes eLearning

Selbstgesteuertes eLearning eignet sich besonders für Inhalte, die alle Mitarbeiter kennen und verstehen müssen. Dazu gehören etwa Unternehmensgeschichte und -struktur, Richtlinien und Verhaltensregeln, Produkt- und Servicewissen, wichtige Fachbegriffe, Systemgrundlagen, Sicherheitsvorgaben und erste Einblicke in zentrale Prozesse. Auch zur Vorbereitung auf Live-Sessions ist es gut geeignet.

Ein großer Vorteil: Mitarbeiter können Inhalte jederzeit wiederholen und bei Bedarf erneut aufrufen. Gerade im Onboarding ist das hilfreich, wenn in kurzer Zeit viele neue Informationen auf sie zukommen.

Doch nur weil Inhalte verfügbar sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gut aufbereitet sind. Ein Handbuch einfach ins LMS hochzuladen oder eine Präsentation aufzuzeichnen, reicht nicht aus. Die Inhalte sollten klar strukturiert, auf das Wesentliche reduziert und mit konkreten Situationen aus dem Arbeitsalltag verknüpft sein.

Ein gutes Lernmodul sollte vor allem drei Fragen beantworten:

  • Warum ist dieses Wissen für meine Rolle wichtig?
  • Wann brauche ich es?
  • Woran erkenne ich, was ich in der jeweiligen Situation tun sollte?

Kurze Szenarien, Demonstrationen, Wissenschecks und praxisnahe Beispiele helfen dabei, Informationen so aufzubereiten, dass sie später im Arbeitsalltag leichter angewendet werden können.

2. Gemeinsames Lernen

Manche Themen lassen sich am besten im Austausch mit anderen lernen. Gerade wenn es um Diskussionen, Fragen oder unterschiedliche Perspektiven geht, bietet sich dieses Format an – vor Ort oder virtuell.

Dafür eignen sich zum Beispiel:

  • Kollegen und wichtige Ansprechpartner kennenlernen
  • Unternehmenswerte gemeinsam diskutieren
  • Fragen zu komplexen Richtlinien klären
  • schwierige Situationen aus dem Arbeitsalltag besprechen
  • Rollenspiele durchführen
  • Erfahrungen und Lösungsansätze mit anderen neuen Mitarbeitern austauschen
  • erste Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag gemeinsam reflektieren

Der direkte Austausch schafft Raum für unterschiedliche Perspektiven und konkrete Situationen aus dem Arbeitsalltag. Ein digitales Modul kann beispielsweise einen Kundenserviceprozess erklären. Im gemeinsamen Austausch lässt sich dann besprechen, wie sich dieser Prozess verändert, wenn ein Kunde verärgert ist, Informationen fehlen oder mehrere Aufgaben gleichzeitig Priorität haben.

Live-Sessions sollten allerdings nicht dazu dienen, Folien vorzulesen, die Mitarbeiter genauso gut selbst durcharbeiten könnten. Sie sind besonders dann sinnvoll, wenn Fragen, Diskussion, Feedback und persönlicher Austausch im Mittelpunkt stehen. Gerade im Onboarding bietet dieser direkte Kontakt außerdem die Möglichkeit, erste Beziehungen zu Kollegen aufzubauen und die Unternehmenskultur kennenzulernen.

3. Lernen im Arbeitsalltag

Wissen allein reicht nicht aus, wenn Mitarbeiter Aufgaben im Arbeitsalltag sicher ausführen sollen. Gerade bei Entscheidungen, Verhalten und praktischen Tätigkeiten brauchen neue Mitarbeiter die Möglichkeit, das Gelernte anzuwenden, zu üben und Feedback dazu zu bekommen.

Im Arbeitsalltag kann das zum Beispiel bedeuten:

  • Einen erfahrenen Kollegen bei der Arbeit begleiten
  • Aufgaben zunächst in einem geschützten Rahmen durchführen
  • Mit einer Sandbox oder Simulation arbeiten
  • Kundengespräche üben
  • Geräte- oder Sicherheitschecks durchführen
  • Eine Arbeitsprobe erstellen
  • Realistische Aufgabenstellungen bearbeiten
  • Unterstützung durch Vorgesetzte oder Mentoren erhalten

Dabei sollte die Unterstützung nach und nach zurückgenommen werden: Zunächst beobachtet der Mitarbeiter eine Aufgabe, führt sie mit Unterstützung durch, erhält Feedback und übernimmt sie anschließend selbstständig. Dass ein Kurs abgeschlossen wurde, sagt noch nichts darüber aus, ob das Gelernte auch im Arbeitsalltag angewendet werden kann. Das zeigt sich erst in der Praxis.

Gerade beim Üben ist konkretes Feedback wichtig. Ein einfaches „Gut gemacht“ hilft dabei nur begrenzt. Gutes Feedback zeigt, was bereits gut funktioniert, wo noch Verbesserungspotenzial besteht und was beim nächsten Mal anders oder genauso gemacht werden sollte.

Welches Lernformat eignet sich wofür?

Ein paar einfache Fragen helfen dabei, für jede Onboarding-Aktivität das passende Lernformat zu finden.

1. Geht es um Wissen oder praktische Anwendung?

Wenn Mitarbeiter vor allem wichtige Informationen kennen und verstehen müssen, eignet sich selbstgesteuertes eLearning. Geht es darum, Situationen einzuschätzen, verschiedene Möglichkeiten zu diskutieren oder Entscheidungen zu treffen, ist der Austausch mit anderen sinnvoll. Müssen Mitarbeiter eine Aufgabe ausführen oder ein bestimmtes Verhalten zeigen, brauchen sie realistische Möglichkeiten zum Üben und die Gelegenheit, Feedback dazu zu bekommen.

2. Müssen alle dieselben Inhalte lernen?

Unternehmensweite Richtlinien, Pflichtinformationen und standardisierte Prozesse profitieren von einer einheitlichen digitalen Grundlage. So lässt sich vermeiden, dass wichtige Inhalte je nach Führungskraft unterschiedlich vermittelt oder interpretiert werden.

Einheitlich bedeutet dabei nicht, dass jeder Mitarbeiter exakt denselben Lernweg durchlaufen muss. Rolle, Arbeitsort, Erfahrung und Verantwortungsbereich können beeinflussen, welche Inhalte und Beispiele tatsächlich relevant sind.

3. Braucht der Mitarbeiter direktes Feedback?

Bei klaren richtigen oder falschen Antworten kann ein digitales Lernangebot direktes Feedback geben. Bei komplexeren Aufgaben braucht es dagegen meist die Rückmeldung einer Führungskraft, eines Coaches oder eines erfahrenen Kollegen.

Je mehr eine Aufgabe von Einschätzung und eigenständigen Entscheidungen abhängt, desto wichtiger wird persönliches Feedback.

4. Gehört sozialer Austausch zum Lernziel?

Unternehmenskultur, Zusammenarbeit und der Aufbau von Beziehungen lassen sich nicht allein über Inhalte vermitteln. Wenn Mitarbeiter verstehen sollen, wie ein Team kommuniziert, zusammenarbeitet oder Entscheidungen trifft, müssen sie mit diesem Team in Kontakt kommen.

eLearning sollte daher nicht den persönlichen Austausch ersetzen, den ein Mitarbeiter für seine Arbeit braucht.

5. Wo wird das Gelernte später angewendet?

Wenn möglich, sollte die Lernumgebung der späteren Arbeit möglichst nahekommen. Ein Mitarbeiter im Außendienst braucht vielleicht mobile Lernangebote und die Möglichkeit, direkt vor Ort zu üben. Ein Mitarbeiter im Homeoffice kann beispielsweise ein Kundengespräch über dieselbe Kommunikationsplattform trainieren, die er später auch im Arbeitsalltag nutzt.

Je näher eine Lernaktivität an der tatsächlichen Arbeit ist, desto leichter fällt es, ihren Nutzen zu erkennen und das Gelernte anzuwenden.

Die richtige Reihenfolge macht den Unterschied

Die passenden Lernformate allein reichen noch nicht aus – auch ihre Reihenfolge spielt eine wichtige Rolle. Wer zunächst alle digitalen Module abarbeitet, danach mehrere Meetings plant und erst am Ende praktische Aufgaben einbaut, schafft schnell einen großen Block an Informationen. Der Bezug zur eigentlichen Arbeit kommt dabei zu spät.

Statt die einzelnen Lernschritte einfach nacheinander abzuhaken, sollten sie sinnvoll aufeinander aufbauen:

  1. Ein neues Thema kurz digital kennenlernen
  2. Sich darüber mit anderen austauschen
  3. Das Gelernte in einer realistischen Situation ausprobieren
  4. Feedback dazu bekommen
  5. Bei Bedarf noch einmal nachschauen

So greifen die einzelnen Lernschritte ineinander und führen Schritt für Schritt von der Vorbereitung zur praktischen Anwendung.

Auch der Lernort sollte sich danach richten, was gelernt werden soll – nicht umgekehrt. Ein gemeinsames Gespräch kann genauso gut virtuell stattfinden, während eine digitale Lerneinheit auch im Büro bearbeitet werden kann. Entscheidend ist, dass die Umgebung das Lernen und die spätere Anwendung sinnvoll unterstützt.

Vom abgeschlossenen Kurs zur sicheren Anwendung

Beim Onboarding werden häufig Kennzahlen wie Anwesenheit, abgeschlossene Module oder Logins Beim Onboarding werden häufig Kennzahlen wie Anwesenheit, abgeschlossene Module oder Logins erfasst. Sie zeigen, ob Mitarbeiter an Schulungen teilgenommen und Inhalte bearbeitet haben – sagen aber nur wenig darüber aus, ob sie ihre Aufgaben bereits sicher und selbstständig ausführen können.

Wie gut das Onboarding funktioniert, sollte sich deshalb am jeweiligen Lernformat messen lassen. Beim selbstgesteuerten eLearning geht es zum Beispiel darum, ob Mitarbeiter ihr Wissen in konkreten Situationen anwenden können – nicht nur darum, ob sie sich an Informationen erinnern. Beim gemeinsamen Lernen können Diskussionen, Rollenspiele oder gemeinsame Problemlösungen zeigen, wie sicher sie mit einem Thema umgehen. Im Arbeitsalltag lässt sich direkt beobachten, wie selbstständig Mitarbeiter Aufgaben bereits ausführen.

Wichtige Anhaltspunkte sind:

  • Wie schnell neue Mitarbeiter Aufgaben selbstständig übernehmen
  • Wie gut die ersten Arbeitsergebnisse ausfallen
  • Wie sicher sie bei ihren täglichen Aufgaben sind
  • Wie die Führungskraft ihre Selbstständigkeit einschätzt
  • Wie häufig vermeidbare Fehler auftreten
  • Ob wichtige Verhaltensweisen im Arbeitsalltag umgesetzt werden
  • Ob sie wissen, wo sie bei Fragen Unterstützung finden

Auch die Unterstützung durch Kollegen und Führungskräfte beeinflusst, wie gut neue Mitarbeiter das Gelernte im Arbeitsalltag anwenden können. Deshalb sollte nicht nur betrachtet werden, wie sich ein neuer Mitarbeiter entwickelt, sondern auch, welche Unterstützung ihm dabei zur Verfügung steht.

Zusammenfassung

Hybrides Onboarding heißt nicht, möglichst viele Lernformate anzubieten – sondern für jeden Lernschritt die passende Form zu wählen. eLearning vermittelt die Grundlagen, gemeinsames Lernen schafft Raum für Austausch, und im Arbeitsalltag wird das Gelernte praktisch angewendet.

Sinnvoll miteinander verbunden, werden aus einzelnen Modulen, Meetings und Aufgaben echte Lernschritte. So lernen neue Mitarbeiter das Unternehmen und ihre Rolle kennen, bauen Beziehungen auf und werden Schritt für Schritt sicherer und selbstständiger.


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